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Christian Fischer
 
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Korbinian der Königsbaum
(Ein Waldmärchen)



erschienen im HePeLo-Verlag
ISBN: 978-39811254-1-2
112 Seiten, gebunden, fester Einband, illustriert

Bezug:
Amazon.de

HePeLo-Verlag

illustration

Leseprobe:

Nadine, die mittlerweile schonDie Fee vom Falkenstein in die fünfte Klasse ging und 11 Jahre alt war, fühlte sich urplötzlich magisch angezogen und vergaß jegliche Vorsicht. Wie in Trance ging sie auf die riesige Blautanne zu, ohne weiter nachzudenken. Wenn Korbinian wollte, konnte er sie jetzt mit einem einzigen Hieb dem Erdboden gleich machen. Sie hatte mächtig Angst und wusste, dass ihr in diesem Falle keine Schmerztablette mehr helfen würde. Trotzdem konnte sie nicht anders. Sie musste einfach weiter gehen…immer weiter...weiter. Die dunklen Augen des Riesen blinzelten ihr jedoch unerwartet gemütlich entgegen, so dass sich langsam die Starre in ihren Beinen löste. Sie wagte einen noch größeren Schritt nach vorne und...

Janine war zunächst noch etwas vorsichtiger. Sie beobachtete ihre ältere Schwester aus sicherer Entfernung…zwei, drei Schritte weiter entfernt und sah…unglaublich…
Der grüne Arm der Riesentanne war nur noch wenige Zentimeter von Nadine entfernt und griff in diesem Augenblick nach ihr. Janine erschrak bis ins tiefste Mark und flüchtete mit einem Riesensatz nach hinten. Für Nadine, die in dieser Sekunde langsam ins finstere Geäst der Tanne gezogen wurde, kam hingegen jede Hilfe zu spät. In panischer Angst stieß sie einen verzweifelten Schrei hervor, der ungehört im düsteren Wald verhallte. Nadine sah Bilder der Vergangenheit an sich vorbei ziehen und hatte mit Allem abgeschlossen, was ihr lieb und wichtig war. Korbinian zog sie näher und näher an sich heran. Immer mehr Äste umschlangen ihre Hand, ihren Arm, …ihren zitternden Körper.
Halb ohnmächtig musste sie an eine Begebenheit denken, die vor langer Zeit stattgefunden hatte.

Nadine war mit ihrem Vater Christian an einem windigen Herbsttag unterwegs gewesen. Sie wollten Drachen steigen lassen und waren auf der Suche nach der besten Stelle für diesen Spaß über Wiesen und Felder gelaufen. Nach einer Weile wurden sie fündig.
Die ideale „Drachenfliegerlasserwiese“ lag genau vor ihnen…sie hatten nur ein winziges Problem. Zwischen ihnen und der besagten Wiese befand sich ein kleines Flüsschen. Nadines Vater sprang als erster mutig über das klare Nass. Natürlich gelang es ihm mit Leichtigkeit. Er war ja schon richtig groß. Ängstlich blickte sie auf die andere Seite des Flüsschens, wo sich nun ihr Vater befand und ihr Mut machend seine Hände entgegen streckte. Ein verzweifelter Sprung und…geschafft!

Mit dem Mute der Verzweiflung ergriff Nadine Korbinians Hand und ließ zu, dass dieser sie noch näher an sich heran zog. Es knackte beängstigend im Gehölz und allerlei Schmutz und Dreck rieselte von oben auf ihre blonden Haare herab. Plötzlich war wieder finstere Waldstille. Nichts regte sich…

„Nadine! Nadine,…wo bist du!?“ Janine rief ängstlich hinter einem dicken Felsbrocken hervor, der in ihrer verzweifelten Flucht Deckung geboten hatte. Wo war Nadine? Was war mit ihr geschehen? In Korbinians Dickicht aus Tannenzweigen, Moose und Flechten bewegte sich etwas…nur ein klein wenig. War Nadine am Ende doch nichts geschehen? Neugierig hob Janine den Kopf, um besser über den schützenden Felsen vor ihr sehen zu können. Sie spähte…und…ja…da war sie! Jetzt konnte sie auch ihre größere Schwester im dichten Grün der Tanne entdecken, die ihr in diesem Moment verwegen entgegen grinste und sie winkend aufforderte, näher zu kommen. „Du kannst kommen Janine! Es ist alles in bester Ordnung!“

„Siehst du…?“, brummte Korbinian mit bärentiefer Stimme, „…es ist gar nicht so schlimm bei mir.“ Aufmunternd blickte er in Janines Richtung. „Ich bin nur groß…das ist alles. Angst brauchst du deswegen keine vor mir zu haben. Ich würde euch niemals etwas zu Leide tun. Ganz im Gegenteil…ich freue mich, dass ihr hier seid.“

 

 

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